Krankheit

Donnerstag, 12. Juli 2007

ein Freund, was ist das?

Sie hatte sich kurzfristig mit ihm verabredet.

Normalerweise sah man sich alle paar Wochen, und dann wurde fast nur über andere gelästert, aber nicht über persönliche Probleme gesprochen. Es war halt eine gute unaufdringliche und absolute nicht klammernde Freundschaft. Und er war zwar viel jünger als sie, aber das war nie ein Thema gewesen.

Er kam spät, als sie fast schon gehen wollte.

Und dann fing es an zu regnen. Herrgott, musste es in diesem verschissenen Sommer eigentlich immer anfangen zu regnen?

Nachdem sie eine Weile unter den Bäumen gestanden hatten und sie trotzdem ziemlich nass wurden, setzten sie sich in das nach Pommesfett stinkende riesige Café, in dem drei übellaunige Kellner standen und drei gutgelaunte Gäste saßen.

Sie redeten über die Krankheit und das Sterben. Und wie das geht. Nein, sie war nicht selber betroffen, es ging um eine nahe Verwandte von ihr.

Und er erzählte ihr einiges, bei dem sie fast weinen musste. Über die Schmerzen, über Schmerzmittel, über Sterbe-Hospize, und dass man schlecht hineinkommt, wenn man keine Beziehungen hat. Und dass man selber nicht mehr die Kraft hat, so etwas in die Wege zu leiten, also total abhängig ist von anderen Leuten... Und über die Schmerzmittel, die man nicht mehr verlangen kann, weil es nicht mehr geht - über die körperlichen Veränderungen, bis man dann endlich stirbt...

So schlimm ist es?
Es ist beschissen schlimm!
Vielleicht sollte man doch besser Vorsorge treffen. Eine Knarre oder so was.
Ich habe Sachen, die sollen ganz gut wirken.
Würdest du sie mir geben?
Klar doch! Aber wer bringt sich schon um?
Ich habe keine Ahnung, aber ich will nicht so enden!
Ach Gottchen, es muss ja nicht so kommen, und wenn, dann würde ich mich um dich kümmern.
Das würdest du tun?
Klar doch, warum nicht?
Du bist verrückt!

Sie fuhr nach Hause, und es war nicht mehr so schlimm wie vorher.

Samstag, 23. Juni 2007

Bitte nicht!

Bitte nicht wieder anfangen zu regnen! Bitte nicht wieder anfangen zu denken! Es war genug, und außerdem war es nass! Wieso war sie überhaupt mit dem Fahrrad losgefahren bei diesem Sauwetter, ihre Freundin würde bestimmt nicht mehr kommen. Und jetzt saß sie auf einer Bank im Park, sah aus wie eine nasse Katze und fühlte sich wie eine tote Katze, Quatsch, wie sentimental und theatralisch! Nein sie war lebendig, noch sehr lebendig. Im Gegensatz zu anderen Leuten, die vielleicht... Nein, nicht dran denken!

Es tröpfelte immer noch, dann schaute kurzfristig die Abendsonne durch die dicken grauen Wolken, und es fing wieder an zu regnen, diesmal wolkenbruchartig.

Sie schlenderte gelassen in Richtung Biergarten, wo es große Schirme über verlassenen Tischen gab und setzte sich auf einen halbtrockenen Stuhl.

Warum nicht ich, dachte sie. Warum nicht ich? Ich bin dem Leben nicht so verhaftet wie sie. Sie hat ein Kind, und sie hat auch Enkel. Sie war immer so lebenshungrig, dass es mich manchmal angekotzt hat. Ich nannte es "lebensgierig". Vielleicht war ich auch nur eifersüchtig auf ihren Lebenshunger, aber das ist jetzt egal. Sie kann doch nicht einfach sterben, Dafür ist sie zu stark. Oder nicht? Verdammt! Und diese ganze Scheiße, die man da mitmachen muss und die letztendlich doch vergebens ist, nein, du bist stark, du schaffst es, Du musst es schaffen, Schwesterchen!

Als sie nach Hause fuhr, regnete es immer noch, und irgendwie schmeckte der Regen salzig.

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