Eine Pop-Ikone* der Vergangenheit

Ich liebe sie, diese seltsame Frau, die im Jahre 1837 geboren wurde, und ich fühle mich ihr verbunden, warum weiß ich auch nicht, denn:

Ich bin nicht die schönste Frau Europas, ich bin auch nicht die beste Reiterin Europas, ich bin noch nicht einmal Kaiserin, aber ich fühle mich ihr trotzdem verwandt. Sie hat immer nach etwas gesucht, es aber nie gefunden.

Elisabeth hatte als eine der ersten Frauen Europas ein Fitness-Zimmer, in dem sie trainierte, Hanteln hob und so weiter. Sie hatte wohl viel Angst, ihre Schönheit zu verlieren. Wie Madonna? Auch da bin ich anders. Ich war nie schön, also kann ich nicht viel Schönheit verlieren, und ich bin auch immer zu faul gewesen, um richtig Sport zu treiben.
Elisabeth hatte wunderbares dunkles gelocktes Haar. Es reichte ihr bis über den Hintern, mal ganz unkaiserlich ausgedrückt. Ich habe ganz anderes Haar...

Ich bin auch nicht so reiselustig wie sie, und trotzdem kann ich dieses Suchen verstehen, diese innere Unruhe, dieses nie länger an einem Ort bleiben wollen. Dabei hänge ich seit Jahrzehnten an einem Orte fest.

Elisabeth sagte dazu:
"Die Reiseziele sind nur deswegen begehrenswert, weil die Reise dazwischen liegt. Wenn ich irgendwo angekommen wäre und wüsste, dass ich mich nie mehr davon entfernen würde, würde mir der Aufenthalt selbst in einem Paradies zur Hölle. Der Gedanke, einen Ort verlassen zu müssen, rührt mich und lässt mich ihn lieben."

Sie meinte damit wahrscheinlich, dass der Weg das Ziel ist. Denke ich mir so. Es kann natürlich auch falsch sein, was ich mir so denke.

Elisabeth war witzig. Manchmal bin ich auch witzig, ein bisschen jedenfalls.

Sie schrieb ein Gedicht über einen Besuch bei der Königin Victoria:
Doch siehe, wir fahren
dem Strand zu, es harren
der Königin Wägen;
Ach! wie ungelegen
ist diese Visite;
Verdammt sei die Sitte,
die solches ersann!
Nun halten wir an.
am Fusse der Treppe
mit Haube und Schleppe,
die Kleine, die Dicke...


Die könnten glatt von mir sein, diese verschleppten Verse.

Elisabeth ließ sich ab ihrem fünfzigsten Geburtstag nicht mehr fotografieren. Ich mag das auch nicht so gerne, kann es aber manchmal nicht verhindern. Aber was da auf den Fotos zu sehen ist, DAS BIN ICH NICHT! Und Elisabeth hat das wahrscheinlich auch gedacht.

10. September 1898: Elisabeth wird im Alter von 61 Jahren in Genf von dem Anarchisten Luigi Lucheni mit einen Stoß ins Herz ermordet.

Ihre letzten Worte waren:
"Was ist denn mit mir geschehen."

Genau das frage ich mich auch. Immer...


*Pop-Ikone" ein irreführender Ausdruck! In Wirklichkeit heißt die englische Vorlage "pop-icon" einfach "populäres Symbol". Der deutsche Ausdruck "Ikone" gibt dieser Bezeichnug einen überaus unangemessenen heiligen Anstrich.

Schön, dass ich mal drüber schreiben konnte und mach's gut, Sisi...
tschapperl - 5. Aug, 18:05

Für mich keine Liebe,
für mich keinen Wein;
die eine macht übel,
der andere macht spei´n.

Auch von der Frau Habsburg.
Naja.

Iggy - 5. Aug, 18:44

wusst ich doch, dass du das nicht magst.

macht nix, ich mag sie als person -
und es ist keine habsburgerin..
antworten
tschapperl - 5. Aug, 20:52

Stimmt so nicht: ich schätze die Dame nur als Dichterin nicht so besonders, als historische Person sehr wohl - abseits vom Romy-Klischee. Ich habe seit ca. 1/2 Jahr das Standardwerk über Elisabeth (Brigitte Hamann, E., Kaiserin wider Willen) in Reichweite herumliegen und doch bin aber erst bis knapp vor Seite 100 vorgedrungen (von 610!). Kommt nur immer was dazwischen, Urlaub, anderes Buch, Hitze, Weblog, ...
antworten
Iggy - 5. Aug, 21:09

stimmt, die gedichte sind nett, aber nichts besonderes.

ich hab da ein buch von 1934 von einem gewissen Egon Caesar Conte Corti. das ist ein name, gelle!
der beruft sich auf den schriftlichen nachlass und ihre unveröffentlichen tagebücher. es ist interessant irgendwie.
antworten
NBerlin - 5. Aug, 23:10

Eine tolle Frau keine Frage...:-)

Iggy - 6. Aug, 08:19

sie hätte keinen kaiser heiraten sollen,

dann wär's ihr vielleicht besser gegangen...
antworten
Bermejo - 6. Aug, 09:25

die abkürzung des namens und das was die filmindustrie aus ihr machte find ich etwas kitschig - aber sonst ist es eine frau die auch sehr interessante/sympatische seiten hat ;-)

iggy (Gast) - 6. Aug, 12:18

ist aber auch schwierig, den namen "elisabeth"

abzukürzen, da bleibt nur beth, betty, else, sisi, sissy...
;->

die filme waren wirklich absolut kitschig, nicht sehr realitätstreu, und romy schneider war nur ein süßes mädchen. hmmm, nee das war nix.
antworten
Miaka - 6. Aug, 21:45

für mich eine der faszinierendsten frauen der geschichte. gerne würde ich einen tag als mäuschen in ihrer zeit bei hofe verbringen...

Iggy - 6. Aug, 21:55

ja das wär was!

aber wohl hat sie sich dort nicht gefühlt, die arme.
lg iggy
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